Sechs außergewöhnliche Weihnachtsbräuche, die du noch nicht kanntest

Weihnachtsbrauch Tannenbaum schmücken

In Deutschland und weltweit kannst du zahlreiche Weihnachtsbräuche entdecken, die nicht überall bekannt sind und häufig auf Religionen oder altem Aberglauben basieren. Viele Weihnachtstraditionen wie der süddeutsche Klopferstag, die Weihnachtsweizen-Saat oder die Südtiroler Dämonen-Vertreibungen finden schon in der Vorweihnachtszeit statt. An den Weihnachtsfeiertagen sorgen wiederum versteckte Besen in Norwegen, das Weihnachtsschwimmen in Großbritannien oder die Weihnachtsgurke in den USA für Highlights.

Klopferstag: Süddeutsche Weihnachtsbräuche mit Ähnlichkeiten zu Halloween

Nur in Süddeutschland hast du möglicherweise Weihnachtsbräuche kennengelernt, die heute Erinnerungen an Halloween wecken. Vor allem in schwäbischen Dörfern ist der sogenannte Klopferstag in Deutschland oft ein wichtiger Bestandteil der Weihnachtstraditionen und findet am Anfang der Vorweihnachtszeit üblicherweise an einem Donnerstag statt. Die Entstehung des Weihnachtsbrauchs ist auf die katholischen Rorate-Messen zurückzuführen. Weil diese Eucharistiefeier üblicherweise um 6 Uhr morgens stattfindet, weckten Gläubige andere Ortsbewohner hierfür früher durch das Klopfen an den Türen. 

Im 21. Jahrhundert musst du aber nicht mehr befürchten, dass du wegen der süddeutschen Weihnachtsbräuche in den Morgenstunden lautstark zum Kirchenbesuch gebeten wirst. Denn mittlerweile ziehen am Klopferstag im Normalfall ausschließlich Kinder um die Häuser und sind dabei zu späteren Uhrzeiten unterwegs. Schon lange bevor der irische Halloween-Brauch in Deutschland bekannt wurde, haben junge Menschen im Rahmen der Weihnachtstraditionen vor den Haustüren Sprüche und Gedichte aufgesagt. Dafür bekommen die Kinder traditionell Obst, Süßigkeiten oder andere Geschenke. Häufig verkleiden sich die kleinen Gäste als Hirten. In Bayern ist der Klopferstag teilweise als Anklopfnacht bekannt.

Weihnachtsweizen: Getreide-Aussaat für international verbreitete Weihnachtstraditionen

Wenn du dich für außergewöhnliche Weihnachtsbräuche weltweit interessierst, ist auch die Weihnachtsweizen-Tradition bemerkenswert. Bei diesem Brauch legen Katholiken an bestimmten Tagen in der Vorweihnachtszeit mit Getreide eine Tellersaat an. Das Ziel von derartigen Weihnachtstraditionen besteht darin, bis zu den Feiertagen eine aufgegangene Saat mit einem dichten Busch zu erhalten. Ursprünglich ist der Tellersaat-Brauch auf die Verehrung des Gottes Adonis aus der griechischen Mythologie zurückzuführen. Die christliche Kirche übernahm diese Tradition und ersetzte den gefeierten Protagonisten dabei durch eigene Heilige. 

Dadurch entwickelten sich schließlich Weihnachtsbräuche, die mit einer Tellersaat an Jesus Christus oder die christliche Dreifaltigkeit erinnern sollen. Es hängt in unterschiedlichen Regionen vom Klima ab, wann die Aussaat des Weihnachtsweizens stattfindet. Üblicherweise handelt es sich um den Barbaratag am 4. Dezember oder den Luciatag, der im Rahmen der Weihnachtsbräuche am 13. Dezember stattfindet.

Entscheidend ist, ob der jeweilige Aussaattermin an Weihnachten zum erhofften Ergebnis führt. Wegen des gewählten Tags ist das Weihnachtsweizen dann auch als Barbaraweizen oder Luciaweizen bekannt. Bei der Aussaat streuen Gläubige für diese Weihnachtstraditionen Getreide in Schalen, flache Teller oder vergleichbare Gefäße. Wenn du die Weihnachtsbräuche selbst testen willst, musst du die Saat daraufhin an einem warmen und windgeschützten Platz feucht halten. Am Heiligen Abend werden üblicherweise eine Kerze für Jesus oder drei Wachskerzen für die Dreifaltigkeit auf den aufgegangenen Getreide-Busch gestellt.

Weihnachtsbräuche weltweit zur Dämonen-Vertreibung vor und nach dem Nikolaustag

Während du ausgefallene Weihnachtsbräuche weltweit kennenlernst, spielt die Vertreibung von Dämonen in der Vorweihnachtszeit in zahlreichen Ländern eine zentrale Rolle. Als besonderes Highlight gelten derartige Weihnachtstraditionen vor allem in Südtirol. Ein prominentes Beispiel für diese Weihnachtsbräuche ist das sogenannte Klosn in der Gemeinde Stilfs. Dort wollen die Bewohner kurz vor oder nach dem Nikolaustag symbolisch Kreaturen aus der Unterwelt in die Flucht schlagen.

Ursprünglich wurde dieser Weihnachtsbrauch im unmittelbaren Vorfeld des Weihnachtsfests zelebriert. Damals hatten viele Menschen mit Aberglauben noch tatsächlich Angst vor Dämonen, die Dorfbewohner vor heiligen Festen rechtzeitig vertreiben wollten. Später entwickelte sich dieser Brauch immer mehr zu einem Fest, das in erster Linie Kinder begeistern soll. Dabei verkleiden sich die Beteiligten mit verschiedenen Kostümen.

Bei der Dämonen-Vertreibung im Rahmen der Weihnachtsbräuche Südtirols schlüpfen junge Erwachsene mit Verkleidungen oft in die Rolle der folgenden Figuren:

  • Dämonisch wirkende Unterwelt-Gestalten wie Teufelchen oder der Krampus
  • Tierische Figuren mit Ähnlichkeiten zu Eseln
  • Der Heilige Nikolaus
  • Nikolaus-Begleiter mit weißen Kleidern

Verstecken des Haushaltsbesens vor dem Weihnachtsfest

In Skandinavien gibt es ebenfalls Weihnachtsbräuche, die ursprünglich auf der Angst vor bösen Geistern basieren und heute als typischer Weihnachtsspaß gelten. Direkt vor dem Weihnachtsfest kannst du in Norwegen eine besonders außergewöhnliche Weihnachtstradition erleben, wenn Familien ihre Haushaltsbesen verstecken. 

Dieser Brauch ist das Ergebnis eines Aberglaubens, laut dem Hexen und dämonische Wesen am Heiligen Abend die Besen stehlen und dann damit davonfliegen. Obwohl im 21. Jahrhundert fast niemand ernsthaft unter solchen Ängsten leidet, ist das Verstecken der "Fluggeräte" aus dem Besenschrank ein wichtiger Bestandteil der norwegischen Weihnachtsbräuche geblieben. Häufig erhalten Kinder die Aufgabe, den Besen bis zum Ende der Weihnachtsfeiertage sicher zu verbergen.

Weihnachtsschwimmen: Sportliche Weihnachtsbräuche in Irland und Großbritannien

Beim Blick auf die Weihnachtsbräuche sind weltweit auch Traditionen mit einem sportlichen Hintergrund bemerkenswert. Zu diesen Weihnachtstraditionen zählt insbesondere das sogenannte Weihnachtsschwimmen, an dem traditionsbewusste Sportler in vielen Orten in Irland und Großbritannien teilnehmen. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts stürzten sich zahlreiche Briten und Irländer am ersten Weihnachtsfeiertag in kalte Gewässer. Bis heute sind diese Weihnachtsbräuche auf den Inseln erhalten geblieben und werden häufig im Fernsehen präsentiert. Die Teilnehmer des Weihnachtsschwimmens verkleiden sich oft als Weihnachtsmänner oder tragen andere Kostüme.

Weihnachtsgurke in den USA mit angeblich deutschem Ursprung

Sobald du außergewöhnliche Weihnachtsbräuche weltweit untersuchst, ist die sogenannte Weihnachtsgurke (Christmas Pickle) für dich vermutlich trotz Legenden über einen deutschen Ursprung zunächst unbekannt. US-Amerikaner mit einer Begeisterung für Weihnachtstraditionen verstecken häufig eine Essiggurke am Weihnachtsbaum. Wer die Gurke findet, erhält laut dem Brauch ein zusätzliches Geschenk. In den USA gilt die Weihnachtsgurke als das Kulturgut von deutschen Auswanderern. Unbestätigte Weihnachtslegenden besagen, dass der aus Bayern stammende Soldat John Lower die Tradition 1864 erfunden haben soll.

Christmas Pickle

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